LBST-Referent ist gegen Arbeitsgruppe zur inklusiven Gestaltung von Toiletten

[Trigger Warning: Trans*feindlichkeit, Non-Binary-Feindlichkeit, Interfeindlichkeit, Sexismus, Male Entitilement]

(Der Begriff LBST steht für Lesbisch-Bi-Schwul-Trans)

In der 3. Universitätsvertretungssitzung an der TU Wien habe ich als Teil der TU*Basis einen Tagesordnungspunkt mit 3 Anträgen zur Umgestaltung der Toiletten eingebracht.
Der Titel dieses Antrages war „FLIT*Toiletten und weitere “ Inklusionsmaßnahmen 1.

all gender restroom

[source: https://intersex.hypotheses.org/tag/transsexualitaet ]

Einer der Gründe, für die folgenden Anträge ist, dass trans, inter und non-binary 4. Menschen bestätigen: die Toilette ist einer der Orte wo das Gender-Binary noch präsent ist und oft zu Diskriminierung und Gewalt führt. Daher ist eine Umgestaltung dringend nötig.

Der erste Antrag befasste sich mit der Bildung einer Arbeitsgruppe zur Erarbeitung eines Konzepts zur Umgestaltung. Bei der Umgestaltung sollten auch betroffene Personen, auch anonym, eingebunden werden. Neue inklusive Sticker 2 für die Toiletten waren auch im Plan enthalten.

Außerdem sollte eine Infokampagne konzipiert werden, deren Ziel es war über Diskriminierung aufzuklären und das Gender-Binary3. aufzubrechen. Ein weiteres Ziel war die Erarbeitung von Richtlinien für die Gestaltung von Postern, um Fälle wie diese zu verhindern.
[Auf einem ähnlichen Poster war meines Wissens nach sogar der LBST-Referent selbst abgebildet! (Trigger Warning: Trans*feindlich, sexistisch, etc.) Mehr dazu hier. ]

Der zweite Antrag hatte zum Ziel, Menstruationsprodukte auf allen Toiletten für alle Benutzer*innen zur Verfügung zu stellen.

Der dritte Antrag befasste sich mit einer Aufwandsentschädigung für jene betroffenen Personen, die Zeit und Energie in die Arbeitsgruppe investieren.

Die unreflektieren Argumente, die mir vor allem von Claudio als Referent des LBST-Referats [LBST], aber auch von Mandatar*innen der FLTU und AG in der folgenden Debatte entgegen gebracht wurden, kann ich auch jetzt noch nicht fassen.

Der folgende Text hält sich grob auch an die Reihenfolge der in der Diskussion aufgebrachten Argumente. Die gesamte UV-Sitzung kann hier eingesehen werden.

Claudios erster Kritikpunkt war, dass mein Antrag so klingt, als ob besonders lesbische Frauen von Diskriminierung auf Toiletten betroffen sind. Laut ihm gibt es in diesem Zusammenhang keine besondere Benachteiligung von lesbischen Frauen*. Mir ist noch immer schleierhaft, wie er* zu diesem Schluss gekommen ist. Der Begriff FLIT* hebt lesbische Frauen* nicht besonders heraus und sollte ihm als LBST-Referent eindeutig bekannt sein. Kritisch ist auch zu sehen, dass Claudio als Mann* für Frauen* und die Erfahrungen von Frauen* sprach.

Claudio kritisierte den Antrag auch als nicht zielführend, da er bisher von keinen negativen Erfahrungen von Trans-, Inter- oder Non-Binary-Menschen gehört hat. Aufgrunddessen sah er keinen Bedarf für die Überarbeitung der Toiletten.

Das Problem mit dieser Aussage ist, dass nicht jede*r über das LBST-Referat Bescheid weiß oder den dort aktiven Menschen genug Vertrauen entgegen bringen kann, um von solchen Vorfällen zu berichten. Viele Trans-, Inter- Und Non-Binary-Menschen haben auf Grund schlechter Erfahrungen nicht mehr die Energie, sich einer weiteren fremden Person anzuvertrauen.

Allein die Möglichkeit von Diskriminierung sollte ausreichen um entsprechende Präventionsmaßnahmen zu setzen. Zusätzlich gibt es zahlreiche Berichte betroffener Personen, die zeigen, dass diese Maßnahmen notwendig sind.
Jede*r hat Gewalt- und Diskriminierungsprävention verdient.

Als nächstes kritisierte er, dass mein Antrag die Themen Gender-Binary und Diskriminierung zu einem „Klothema“ macht.

Ich sehe dieses Kommentar hauptsächlich als Derailing. Es lenkt vom eigentlichen Thema meines Antrages ab und führt zu einem viel komplexeren. Dieses hat nur bedingt mit den Anträgen zu tun.

Auch probiert Claudio damit, meinen Antrag zu diskreditieren indem er behauptet ich würde ein komplexes Thema auf Toilettenbenützung reduzieren.

Als nächstes bezweifelte der LBST-Referent die Notwendigkeit des Antrags, indem er Beispiele aufzählte, in denen unabhängige Aktivist*innen Toiletten schon umgestaltet haben. Natürlich sind diese Beispiele gut, ich bin aber der Meinung, dass unsere Arbeit nicht getan ist, solange es Einzelbeispiele sind. Inklusive Toiletten sollten an unserer Universität (aber natürlich auch generell) die Norm sein, nicht Vorzeigebeispiele.

An dieser Stelle hatte ich schon das Gefühl, dass Claudio vom LBST-Referat nach Strohhalmen griff um den Antrag abzulehnen.

Auch behauptete er, ich würde in meinem Antrag fordern dass alle trans und inter Menschen auf die Frauentoilette gehen. Dabei hatte mein Antrag das Ziel Diskriminierung auf ALLEN Toiletten zu verhindern. Alle sollten dazu in der Lage sein, auf die Toilette zu gehen, die sie bevorzugen, wenn aus rechtlichen Gründen schon keine all-gender-toiletten möglich sind.

Dass der Begriff FLIT* nicht geläufig sei, war das letzte Argument, an das sich Claudio klammerte.  Und zum wiederholten Mal hatte ich das Gefühl, dass mein Antrag nicht gelesen wurde, denn genau aus diesem Grund beinhaltete mein Antrag auch eine Infokampagne.

Aber nicht nur der Referent des LBST-Referats, sondern auch Vertreter*innen der FLTU und AG hatten Zweifelhaftes zu dem Thema zu sagen.

Bei den die Aufwandsentschädigung beispielsweise argumentierten Michi Böhm (AG) und Vertreter*innen der FLTU, dass ehrenamtliche Arbeit durch Bezahlung an Qualität verlieren würde. Als ich daraufhin hinwies, dass die Arbeit betroffener Personen in der Arbeitsgruppe keine Arbeit auch Spaß sondern Arbeit aus Notwendigkeit wäre, wurde dieses Argument weitgehend ignoriert.
Zum Thema Aufwandsentschädigungen könnte ich einen ganzen Artikel schreiben, an dieser Stelle werde ich aber nicht weiter darauf eingehen.

In der Pause hatte ich ein Gespräch mit Claudio,  der auf meine Argumente großteiles zwar nicht reflekiert aber immerhin verständnisvoll reagierte und die Notwendigkeit dieser Arbeitsgruppe scheinbar endlich verstand. Jedoch kommunizierte er dieses Verständnis nicht an die FLTU weiter, die ihr Abstimmungsverhalten offen auf dem Urteil des LBST-Referenten begründete.

Nach der Pause stimmten die gesamte FLTU (und AG und Junos) auf Grund der Argumentation des LBST-Referenten gegen meinen Antrag. Ich hätte mir gewünscht, dass Claudio sein neu gewonnenes Verständnis an die FLTU weiterkommunizert.
Ich habe noch immer das Gefühl, dass Claudio immer fadenscheinigere Argumente brachte um verzweifelt Gründe für die Ablehnung des Antrags zu finden. Er spielte somit der FLTU in die Hände, die auf Grund ihres nicht existenten Verständnisses für Oppositionsarbeit fast jeden Antrag der Opposition blockiert.
Die Blockierung von Anträgen scheint nicht auf den Anträgen zu basieren, sondern darauf ob sie Opposition oder FLTU einbringt. Damit wird die Politik der FLTU über das Wohl von Studierenden gestellt und ist schärfstens zu hinterfragen.

Danach wurde mein Antrag zu Menstruationsprodukten auf allen Toiletten besprochen.
Bei diesem Thema fiel mir vor allem der AG-Mandatar und einige Männer* der FLTU auf, die unpassendes Kichern nicht zurückhalten konnten. Damit vermittelten sie den Eindruck, dass sie das Thema nicht ernst nehmen.
Nach einer langen, unnötigen Diskussion darüber, welche formalen Einzelheiten ein Antrag beinhalten muss, wurde auch dieser Antrag abgelehnt. Sekunden später reichte eine Mandatarin der FLTU einen im Endeffekt identen Gegenantrag ein, der sofort angenommen wurde.

Die Passivität bei LGBTQIA*-Themen und das Unverständnis des LBST-Referenten und der FLTU gegenüber trans, intergeschlechtlichen und nicht-binären Menschen lässt die Frage offen:

Begründet sich diese Einstellung auf Transfeindlichkeit oder auf Faulheit?
(Beides ist übrigens scheiße.)

1 Der begriff FLIT steht für Frauen, Lesben, Inter, Trans

2 Erklärung – inklusive Stickers: mit „inklusiv“ ist hier gemeint, dass die auf traditionellen WC-Stickern abgebildeten „Kleidungsstücke“ absolut normativ sind, wobei Kleidung eigentlich ja KEIN Geschlecht hat. Weiters stammen diese Symbole aus Zeiten in dem das Gender Binary in noch mehr Gewalt und Diskriminierung resultierten als heute.

3 Gender Binary: The term gender binary describes the system in which a society splits its members of male and female sexes intogender rolesgender identities and attributes. [https://en.wikipedia.org/wiki/Gender_binary]

4 non-binary: Ein Geschlecht ist nichtbinär, wenn es nicht einer der binären Kategorien „Mann“ oder „Frau“ entspricht. Es existiert ein riesiges Spektrum nichtbinärer Geschlechter wie genderqueer (generell nicht binärgeschlechtlich verortet), genderfluid (je nach Zeitpunkt unterschiedliches Geschlecht), neutrois (ein neutrales, drittes Geschlecht, das explizit kein Zwischengeschlecht aus „Mann“ und „Frau“ ist) und viele weitere. Nichtbinäre Geschlechtsidentitäten sind keine moderne Erfindung, sondern existier(t)en in dutzenden Gesellschaften weltweit. Sie wurden jedoch durch den christlichen Kolonialismus weltweit unterdrückt und teilweise ausgelöscht. Nichtbinäre Menschen sind zumeist [→ trans], weil in den meisten Gesellschaften bei Geburt zugewiesene Geschlecht eigentlich immer ein binäres ist. [https://femgeeks.de/glossar/#nonbinary]

Wieso das “Ball verkehrt”-Poster so verkehrt ist

[Trigger Warning: Transfeindlichkeit, Anti-feministisches, viel Bullshit]

Ball Verkehrt 2016

Ganz ehrlich, mit diesem Plakat läuft so einiges falsch, und es ist möglich dass ich nicht alles klar verbalisieren kann oder mir nicht alle problematischen Aspekte auffallen. Falls Leser*innen noch welche einfallen, freue ich mich über Kommentare.
Weiters bin ich eine Cis-Frau und bin mir sehr bewusst, dass ich noch einiges zu lernen habe. Daher freue ich mich über Kritik und Kommentare.

Zuerst bemerke ich, das hier offen über zwei „Randgruppen“ (Ich mag das Wort selbst nicht, mir fällt aber kein besseres Synonym ein.) geschertzt wird. Einerseits Feministinnen* und andererseits Trans*frauen und non-binary Menschen.

Dieses Sujet macht sich darüber lustig und verharmlost, dass Trans*frauen und non-binary Menschen, die von der Gesellschaft als männlich empfunden werden in ihrer Identität nicht als voll genommen werden. Es verharmlost die Disktiminierung und Gewalt, die Menschen im Alltag erfahren, wenn sie nicht so gekleidet sind, wie es große Teile der Gesellschaft als „normal“ empfinden. Die Kussmundhaltung hypersexualisiert meiner Meinung nach Trans*frauen. Das gesamt Bild stellt die darauf abgebildeten „Randgruppen“ als eindimensionales Stereotyp dar und fordert somit die Legitimisierung dieser schädlichen Bilder.
Die in der Mitte abgebildete Frau* ist auch hoch stereotyp und negativisiert weiter den Begriff der Feministin*.

[Bildquelle: http://www.fsch.at/78-fschinfo/239-ball-verkehrt-2016.html%5D

Ein Mensch ist mehr als sein Tod.

Das Tabu um den Tod ist überall. Zum 5. Todestag meines Bruders thematisiere ich das. Der Großteil der Gesellschaft reagiert noch immer ohne emotional gebildetes Verständnis und Akzeptanz und kennt nur Betroffenheit, die aber oft fehl am Platz ist.

[Trigger Warnung: Tod (nahestehender) Personen]

Heute ist der 5. Todestag meines Bruders und NEIN ich brauche keine Beileid und kein betretenes Schweigen.

Was  ich mir aber wünsche ist, dass Menschen, die (öfters) über verstorbene Angehörige oder Freunde reden, nicht mehr stigmatisiert werden, weil der Rest der Gesellschaft dies nur selten und in tieftrauriger Laune tun. Was ich mir wünsche ist, dass Menschen, die wissen, dass mein Bruder tot ist, nicht sofort ruhig und betroffen werden, wenn ich über ihn rede. Mein Bruder war millionenfach viel mehr als sein Tod.
Wenn ich über ihn spreche, bin ich nicht immer traurig, meistens freue ich mich dass er gelebt hat. Meistens spreche ich über ihn weil ich ihn den Menschen die jetzt ihn meinem Leben sind vorstellen möchte. Ich erinnere mich daran im Garten meiner Großeltern Leintuchzelte zu bauen und Bogen zu schießen. Ich erinnere mich an das eine Mal, als er die geniale Idee hatte einen seiner Riesentausendfüssler abzulecken und seine Zunge dann wochenlang taub war.

Ich wünsche mir, dass Verstorbene nicht mehr auf ihren Tod reduziert werden. Ich wünsche mir, dass Menschen lernen damit umzugehen, dass ihre Mitmenschen Verstorbene nicht einfach vergessen und verschweigen wollen, keine einzige lustige Anekdote, keine einzige schöne Erfahrung.

Ich habe keine Lust mehr, dass mir Menschen sagen, ich solle weniger über meinen Bruder reden, weil sie sich damit unwohl fühlen. Klar wenn es triggert, verstehe ich das vollkommen aber in jeder anderen Situation habe ich kein Verständnis mehr. Fühlt sich jemand unwohl, wenn ich von meinem Bruder erzähle, kann er*/sie* ja den Raum verlassen, aber ich kann und will nicht mein Leben für ein anderes austauschen, Menschen vergessen oder totschweigen.

Ich wünsche mir eine neue Umgehensweise mit den Angehörigen Verstorbener und dem Tod generell. Ich wünsche mir endlich (mehr) Verständnis und Akzeptanz. Ich wünsche mir, dass meine Emotionen nicht mehr verboten, verschwiegen, falsch oder belästigend sind. Meine Gefühle und Anekdoten sind valide, wichtig und manchmal eben lustig und manchmal traurig.

Field Report: sexism in university politics (part 2)

[Trigger warning: This article partly deals with rape, violence and harassment]

Estimated reading time: ~ 15 minutes

(-> German Version)

This time I am writing about sexist professors in university commissions and harassment in lectures, specifically male students harassing female* students. Last time I told you about male students working in student representation accusing female student reps of irrationality, being hysteric and shouting aggressively agitated.

[Disclaimer: In the context of the following text I only feel to be a part of the marginalized group of women* and not for example of the LGBTQIA* community or non-binary7 people. This caused me to largely only discuss repression mechanisms caused by sexism. Of course, there are many more in connection with other “isms”, but I don’t feel like I have the competence to write about those. I hold the believe that writing and reading about those experiences is incredibly important.
So if you blog about your experiences in these or similar contexts, I would be happy if you sent me links to those texts/blogs to which I’d gladly point people.
If you are interested to write a guest article/text/report on kalter pfefferminztee (cold peppermint tea), feel free to drop me a message!]

In my work as a student rep for computer science/informatics at the University of Technology Vienna I am taking part in several committees, commissions and working groups. One of those is the working group to evaluate the StEOP, which is supposed to take place in the first semester of every computer science student of the university.

First I want to give you some facts about the StEOP, which was meant to be a phase at the beginning of every bachelor’s degree the computer science/ informatics faculty ate UT Vienna offers. Originally the StEOP aimed to help students transition into university and orient themselves as to which study is the best choice for them.
The StEOP at the faculty of computer science/informatics usually consists of about 6 courses and a beginners’ meeting adding up to 30 ECTS points. These courses are mostly theoretical and technical, meaning that the development of social and emotional skills as well as knowledge in the field of social sciences are completely neglected.
Additionally scientific methods are also left out of this first semester. Under these circumstances the StEOP has multiple negative consequences.

On the one hand the choice of courses conveys a very distorted view of the study program at the university, the jobs following the time at university and the field in general. This view shows a theoretical and technical developing climate, research and work environment that is disconnected from humans and human interaction. It is completely ignoring the fact that technology should be developed by humans for humans, this practice coins the perception of students immensely. The first sociology course is in the second semester and is mostly not taken seriously. Realistically mostly students need 2-4 semesters for the StEOP, meaning that the distorted picture the StEOP conveys is taking effects for 2-4 semesters resulting in the undervaluation of social skills.

On the other hand this first impression causes especially cis-male students to reject any social, emotional education as well as courses connected to social sciences.

The domain of computer science is pervaded by the so called nerd culture1 and partly also by bro culture2 which are connected in several aspects, for example in the occurrence of toxic masculinity3. Part of those cultural phenomena is the shaming and/or exclusion of anyone challenging certain problematic views, such as sexist, racist or homophobic behaviours. The StEOP as it is right now is supporting these highly problematic views by failing to communicate the importance of social and emotional skills and knowledge connected to social sciences.
The result of these discriminating, unreflected views and condoned sexist, homophobic, racist and transphobic behaviours are catastrophic statistics concerning diversity. The dropout rates among women*, non-binary7  people as well as those belonging to the LGBTQIA* community are even easily noticeable for students representatives that interact with a high number of students and have never seen any statistics.
This problem is rooted in a hostile working climate and unacceptable behaviours being shown in everyday social interaction as well as a lack of understanding of social constructs and emotional responsibility.

https://imgs.xkcd.com/comics/how_it_works.png

The incidents I am describing in the rest of this text happened in the above mentioned working group that is aiming to evaluate the StEOP. Two female student reps (I was among them) and a female colleague from the AKG (=working group for equality) were criticizing the missing social education in the StEOP. To make the problem more relateable and easier to grasp I reported harassment that had happened to me personally in a lecture at the faculty of computer science/informatics.

One of those examples was an incident with a cis6-male student that I had been in a learning group with two semesters prior. He had touched my body multiple times without my consent and asked “Are you ticklish?” What I did not mention was that I had told another colleague I knew very well that I had recently separated from my boyfriend. I still have the impression that the male student had then interpreted this as an invitation for him to “interact” with me in the way he did. But this did not matter, because no matter my relationship status, his behaviour was inacceptable.
I explained that this incident was caused by a lack of social knowledge. It followed the problematic “understanding” many cis-men are taught: Women* that are claimed by a man are not to be touched. Women* who are momentarily not belonging to a man are unprotected game, free to be claimed by any man without requiring the woman’s consent or respecting her personal boundaries.

A professor, I will call him prof. Miller for the sake of this text, then replied with an outlandish reasoning, that I will paraphrase now: The women* he knows are not confronted with behaviour like this, therefore this incident had to be an isolated case. Generally one had to concentrate on the average student. Furthermore he claimed that this behaviour was not sexist but bad manners  and that the harasser had been nothing more than ill-bred.

Of course, my colleague from AKG clarified immediately that one counterexample did not negate everything that is happening at our faculty. Thinking that it did was highly unscientific.

Furthermore prof. Miller mentioned that at his martial arts club no one would dare to touch a woman like this, because he would immediately get beaten up by her. He hereby suggested violence as an acceptable way for women* to cope with harassment. When I explained that the reason for women* not reacting violently to men harrassing them is that if they do, they often face physical assault or rape, because men were often either physically stronger or the majority, prof Miller waved this reasoning aside.

Since I am still learning myself, it later on occurred to me, that his argument was implicit victim blaming, basically saying: “If women* fought back more/harder they wouldn’t face the harassment and rape that they do.” It shocks me that someone teaching mostly young male students is still holding such views.

When I referred to more incidents of this nature with the words “shit” and “shitty” as in “this shitty behaviour”,  I was told by prof. Miller that my choice of words and the loudness of my voice showed that I was ill-bred and had been brought up badly.
Afterwards the female student representatives as well as the colleague from AKG were told they had overreacted. Especially because after this pointless discussion that was dominated by sexism and ignorance, the women* that had participated in the discussion left the room and did not participate in the following curricula commission.

This way of coping with people that point out flaws in a system can also be observed in my previous field report about sexism in Austria’s university politics (https://kalterpfefferminztee.wordpress.com/2016/02/03/erfahrungsbericht-zu-sexismus-in-osterreich-z-b-in-universitatspolitik/).

Women* are accused of being loud, out of control, aggressive, hysterical or as in this case “overreacting”. And again they are told by white cis-males how to behave, and which of their experiences and arguments are valid or invalid.

In the following meetings of other similar organs of the faculty of computer science/informatics behaviours similar to those I mentioned above were observable. Highlighting problematic behaviour connected to ableism4, sexism, neuronormativity5 and other methods used to oppress marginalized groups again lead to a practice of trivialisation, ignorance and minimizing.

1 nerd culture: The term nerd culture refers to a subculture that predominantly cisgender men associate themselves with. This cultural phenomenon tends to nurture a climate of heteronormativity8 sexism, transphobia, racism and so on. Many”real”/widely accepted nerds have the view that only certain characteristics make one a nerd, which means that a self-association with nerd culture or what it means to be a nerd does not automatically mean that one will be accepted in the nerd community. Many barriers make it nearly impossible for women*, non-binary people and men* that do conform to the stereotypical picture of the “classic nerd”, to be accepted in the nerd community. Recently there have been efforts by groups of mostly women* in STEM fields or female gamers to change this toxic environment. These women* have been confronted with rejection, ridicule, harassment, even leading up to violence. [This definition/explanation was written by myself, I will try to expand on the topic in an article soon]

2 bro culture is a male youth subculture of “conventional guys’ guys” who spend time partying in ways similar to each other. Although the popular image of bro lifestyle is associated with sports apparel and fraternities, it lacks a consistent definition. Some aspects vary regionally such as in California where it overlaps with surf culture.[1] Oxford Dictionaries have noted that bros frequently self-identify with neologisms containing the word “bro” as a prefix or suffix. Journalists named American swimmer Ryan Lochte and television character Barney Stinson prominent bros.

“Bro culture” (also known as “frat culture”) is basically defined by excessive drinking and its effect on campus culture is pervasive. Currently, about four out of five college students consume alcohol and half of all college students engage in binge drinking. An insane one out of every three college students meet the criteria for alcohol use disorder and hospitalizations for alcohol overdoses increased 25% for those aged 18–24 between 1999 and 2008 (Dowsett Johnston, 2013).

3 toxic masculinity is one of the ways in which Patriarchy is harmful to men. It refers to the socially-constructed attitudes that describe the masculine gender role as violent, unemotional, sexually aggressive and so forth. [Source and more examples: http://geekfeminism.wikia.com/wiki/Toxic_masculinity%5D

4 ableism  is the term used for a social ideology under which able-bodiedness is privileged, often resulting in discrimination or social prejudice against people with disabilities. Ableism eludes the idea that a person is characterized by their disabilities making them inferior to the non disabled. Discrimination faced by those who have or are perceived to have a mental disorder is sometimes called mentalism rather than ableism.
[Source and more: https://en.wikipedia.org/wiki/Ableism%5D

5 neuronormativity describes a society that privileges certain ways of being as ideal, and characterises those who fail to live up as abnormal or deficient. For example, an education system with an emphasis on reading could be seen as neuronormative in the sense that it forces those with conditions like dyslexia to adapt, even though people with reading disorders might appear far less impaired under a different system of education. Similarly, conventions like job interviews are potentially neuronormative, because they give a systematic advantage to people who find face-to-face communication easier, sometimes even when this is almost irrelevant to their suitability for the job.  [Source and more: https://www.reddit.com/r/neurodiversity/wiki/glossary%5D

6 cis/cisgender(ed): A “cis” person is a person who was assigned a gender and sex at birth that they feel comfortable with. Typically, cis men are men who were assigned male at birth and feel that the words “man” and “male” accurately describe who they are. Likewise, cis women are women who were assigned female at birth and feel that the words “woman” and “female” accurately describe who they are. Generally, cis people feel comfortable with the aspects of their bodies that others inscribe with a sex and gender, and do not seek to modify their bodies in ways that would change how they or others place them in a sex category.

7 non binary: describes any gender identity which does not fit between the binary of male and female.

8 Heteronormativity is the belief that people fall into distinct and complementary genders (man and woman) with natural roles in life. It assumes that heterosexuality is the only sexual orientation or only norm, and states that sexual and marital relations are most (or only) fitting between people of opposite sexes. Consequently, a “heteronormative” view is one that involves alignment of biological sexsexualitygender identity and gender roles. Heteronormativity is often linked to heterosexism and homophobia. [Source and more: https://en.wikipedia.org/wiki/Heteronormativity]

 

Erfahrungsbericht: Sexismus in der Unipolitik (Teil 2)

[Trigger Warnung: Dieser Artikel beschäftigt sich teilweise mit Vergewaltigung, Gewalt und tätlichen Übergriffen]

Lesezeit: ca. 15 Minuten+

(-> English Version)

Diesmal geht es um sexistische Professoren in Kommissionen, Übergriffe in Vorlesungen von Studenten auf Studentinnen*. Zuletzt ging es unter anderem um UV-Mandatare, die UV-(Ersatz-)mandatarinnen (wiedereinmal) Hysterie, Irrationalität und aufgeregtes Schreien vorwurfen.

[Disclaimer: Da ich mich selbst in diesem Kontext nur der marginalisierten Gruppe von Frauen* und nicht zum Beispiel der von LGBTQIA* Menschen und non-binary7 Menschen zugehörig fühle, werde ich mich im Großteil des Textes nur mit den Unterdrückungsmechanismen beschäftigen, die ich persönlich erfahre (Sexismus). Natürlich gibt es auch viele weitere, über die ich aber nicht die Kompetenz habe zu schreiben. Ich halte es für wichtig dass auch von Erfahrungen anderer marginalisierten Gruppen berichtet werden.
Falls also jemand Erfahrungsberichte beispielsweise über Transphobie, Homophobie, Rassismus, etc. schreibt und im Internet veröffentlicht, freue ich mich über Links zu den jeweiligen Blogs/Texten, die ich dann gerne verlinken würde.
Falls Interesse daran besteht einen Erfahrungsbericht oder ähnlichen Text über die erwähnten Unterdrückungsmechanismen als Gastbeitrag auf Kalter Pfefferminztee beizutragen, bin ich dafür auch offen.]

In meiner Arbeit als Studienvertreterin für Informatik an der TU Wien wirke ich in verschiedenen Gremien, Kommissionen und Arbeitsgruppen mit. Zum Beispiel wirke ich in der Arbeitsgruppe zur Evaluierung der Studieneingangs- und Orientierungsphase mit, die sich wie der Name schon verrät mit der StEOP an der Fakultät für Informatik beschäftigt.

Zuerst ein paar wichtige Fakten zur StEOP. Die Studieneingangs- und Orientierungsphase der Fakultät für Informatik besteht aus 6 Lehrveranstaltungen und einem Studieneingangsgespräch, die sich auf 30 ECTS aufsummieren. Diese Lehrveranstaltungen sind alle großteils theoretisch und technisch orientiert, das heißt, das Entwickeln von gesellschaftswissenschaftlichen, sozialen und emotionalen Fähigkeiten wird hier völlig ausgelassen. Weiters wird übrigens auch allgemeines wissenschaftliches Arbeiten völlig vernachlässigt. Diese Umstände hat mehrere negative Folgen.

Zum einen vermittelt diese Auswahl an Lehrveranstaltungen den Studierenden, dass das Informatikstudium und die darauf folgenden Berufe ausschließlich einer vom Menschen entkoppelten theoretischen und technischen Entwicklung, Forschung und Arbeit gewidmet sind. Dass Technik eigentlich für Menschen von Menschen entwickelt werden sollte, wird ignoriert. Diese Praxis prägt das erste Bild, das Studierende vom Studium haben erheblich, die erste gesellschaftswissenschaftliche Lehrveranstaltung im 2. Semester wird von vielen Studierenden wenig bis gar nicht ernst genommen. Realistisch  brauchen die Studierenden nämlich 2-4 Semester für die StEOP, und werden somit diese 2-4 Semester auf die oben beschriebene Art geprägt.

Eine weitere Folge dieses ersten Eindrucks ist, dass besonders cis6-männliche Studierende für den Rest des Studiums jegliche soziale, emotionale und gesellschaftswissenschaftliche oder auch psychologische Bildung großteils ablehnen oder nicht ernst nehmen.

Die im Informatiksektor verbreitete „Nerd-Kultur“1 bzw. teilweise auch „Bro-Kultur“2 wird somit fortgesetzt und gefestigt, da das Hinterfragen jener Subkulturen oft als unakzeptabel gilt.
Diese Weiterführung einer Kultur die von Sexismus, Toxic Masculinity3, Homophobie und Rassismus geprägt ist, resultiert in katastrophalen Quoten wenn es um die Diversität im Bereich Informatik geht. In Statistiken bzw. als Studienvertreterin, die sehr viel mit großen Mengen an Studierenden interagiert, wird sichtbar, dass sowohl Frauen* als auch Menschen, die sich als non-binary7 identifizieren, und LGBTQIA*-Menschen bald aus dem Studium fallen, da das Arbeitsklima und der allgemeine Umgang mit Kolleg*innen im Studium oft extrem belastend, diskriminierend und feindlich sind.

https://imgs.xkcd.com/comics/how_it_works.png

Den wie folgt beschriebenen Umstand habe ich als Frau* und Studienvertreterin in einer Sitzung der Arbeitsgruppe kritisiert. Um greifbare Beispiele zu nennen habe ich auch persönliche Erfahrungen, die auf die momentane StEOP zurückzuführen sind, wiedergegeben.
Eines dieser Beispiele war, dass ich von einem anderen Studierenden, mit dem ich 2 Semester zuvor in einer Lerngruppe war, angegriffen und angefummelt wurde mit den Worten „He, bist du kitzelig.“ Was ich nicht erwähnte war, dass dies geschah nachdem ich einem anderen Kollegen, der in der Nähe saß, von der erst kürzlich erfolgten Trennung von meinem Freund erzählte. Aber das hätte sowieso nicht viel daran geändert, dass das Übertreten meiner Grenzen unakzeptabel und übergriffig war.
Ich thematisierte, dass dies auf Sexismus und fehlendes soziales Wissen zurück zu führen war. Es folgte dem typischen Bild, dass Männern* oft vermittelt wird:  Frauen* die von einem anderen Mann* momentan beansprucht werden, dürfen nicht angegriffen werden.
Aber Frauen*, die nicht gerade zu einem Mann „gehören“ sind  Freiwild, deren Konsens nicht abgefragt oder respektiert werden muss. Das Verhalten zeigte auch generell fehlendes Wissen wenn es um Konsens und das respektieren persönlicher Grenzen geht.

Ein Professor, den ich zum Zweck dieses Textes Professor Müller nenne (also anonymisiere), erwiderte darauf ein haarsträubendes Argument, das ich nun kurzgefasst wiedergebe: Den Frauen*, die er kennt, passiert soetwas was nicht, also muss ich ein Einzelfall sein und generell müsse man sich auf den Durchschnitt konzentrieren. Außerdem sei das kein Sexismus, den ich hier beschrieb, sondern schlechte Kinderstube.

Dass es weniger als unwissenschaftlich ist, zu glauben , dass ein Gegenbeipiel sämtliche genannten Vorfälle devalidiert ist unübersehbar, und wurde von meiner Kollegin vom AKG auch gleich angemerkt.

Weiters meinte Prof. Müller, bei ihm im Kampfsportverein traue sich das keiner, die würden dann nämlich gleich eine gehaut bekommen. Er schlug somit vor Frauen* sollten sich doch mit Gewalt gegen Männer wehren. Als ich dann anmerkte, dass dies Frauen* meist aus Selbstschutz nicht tun könnten, da Männer oft entweder in der Überzahl oder körperlich stärker waren und Frauen* somit Vergewaltigung, Körperverletzung oder ähnliches riskieren, ließ der Professor dieses Argument nicht völlig gelten.

Da ich selbst noch lerne, ist es mir erst später aufgefallen, dass der Professor mit diesem Kommentar implizit die Opfer von Vergewaltigung und tätlichen Angriffen dafür beschuldigte sich nicht genügend zu wehren. Es schockiert mich, dass ein Professor, der großteils junge Cis-Männer unterrichtet noch solche Ansichten vertritt.

Beim Berichten von weiteren Vorfällen von Seximus verwendete ich die Worte „scheiß-„ oder „beschissen“ um Sexismus und sexistische Vorfälle näher zu beschreiben (nie aber Menschen), was Prof. Müller dazu brachte mir mitzuteilen, dass meine Redelautstärke und meine Verwendung diese Attribute den Schluss zuließen, ich hätte eine „schlechte Kinderstube“.
Im Nachhinein, wurden den weiblichen Studienvertreterinnen (vor allem mir, meine Kollegin hat frühzeitig den Raum verlassen, da es unaushaltbar wurde) vorgeworfen, wir hätten dem Kommunikationsklima geschadet und überreagiert, als die Studienvertreterinnen und die Beauftragte des AKG (Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen) geschlossen die Arbeitsgruppe verließen und planten auch der darauf folgenden Studienkommission fern zu bleiben.

Dies zeigt wieder einen klassischen Fall wie den von meinem Erfahrungsbericht zu Sexismus in Österreich z.B. in  der Universitatspolitik beschriebenen (https://kalterpfefferminztee.wordpress.com/2016/02/03/erfahrungsbericht-zu-sexismus-in-osterreich-z-b-in-universitatspolitik/).

Frauen* wird vorgeworfen laut, ungezügelt, aggressiv, hysterisch oder wie in diesem Fall „übertrieben“ zu reagieren, wenn sie Sexismus aufzeigen. Frauen* wird meist von weißen Cis-Männern gesagt wie sie sich zu verhalten hätten, worüber sie sich (nicht) aufregen dürften und welche Erfahrungen valide Massenphänomene bzw. Einzelfälle seien.

Bei folgenden Sitzungen anderer Organe der Fakultät für Informatik konnten weitere Verhaltensweisen der oben beschriebenen Art beobachtet werden. Das Aufzeigen dieser Verhaltensweisen führte zu ähnlichen Argumentationen wie oben. Ableism4, Seximus, Neuronormativität5 und einige andere Unterdrückungsmechanismen werden trotz Aufzeigens durch Studienvertreter*innen noch immer bagetellisiert und akzeptiert. Die aufzeigenden Parteien werden dabei oft gleich mit ihren Erfahrungen und ihrer Expertise im Aufklären von Diskriminierung nicht ernstgenommen.

 

1 Nerdkultur: Der Begriff Nerdkultur befasst sich mit einer Subkultur mit der sich großteils Cis-Männer identifizieren. Dieses kulturelle Phänomen tendiert dazu ein Klima geprägt von Heteronormativität8, Sexismus, Transphobie, Rassismus, etc. zu schaffen. Viele „echte“/weitläufig in der Community akzeptierte Nerds haben eine festgelegtes Bild was es heißt ein Nerd zu sein. Das heißt eine Selbstdefinition als Nerd hat nicht automatisch zur Folge, dass man auch in der Nerd Community angenommen und akzeptiert wird. Frauen*, non-binary Menschen und Männer* die nicht dem typischen Bild eines Nerds entsprechen werden infolgedessen große, teilweise unüberwindbare Barrieren in den Weg gelegt, die es fast unmöglich machen als Nerd akzeptiert zu werden. Seit einigen Jahren gibt es auffallende Bemühungen von großteils Gruppen von Frauen* , die die  Community ändern wollen. Dabei stoßen sie ständig auf Ablehnung, Spott, Belästigung, und sogar Gewalt. [Diese Definition/Erklärung wurde von mir selbst geschrieben, ich werde diesem Thema bald einen eigenen Artikel widmen]

2 Bro-Kultur ist eine männlich dominierte Subkultur. Diese wird charakterisiert durch exzessiven Alkoholkonsum, und oft auch durch Heteronormativität8.

3 Toxic Masculinity ist eine Art, wie das Patriachat Männern* schadet. Die mit Toxic Masculinity verbundenen Ansichten stellen die Rolle des Mannes* als gewalttätig, emotionslos, sexuell aggressiv, usw. dar.  [Quelle und mehrere Beispiele: http://geekfeminism.wikia.com/wiki/Toxic_masculinity%5D

4 Ableism oder auch Disableism sind aus dem Englischen stammende Begriffe (engl. able = fähig, to disable = unfähig machen, disabled = behindert,
Suffix –ism = -ismus[1] aus dem Bereich der US amerikanischen Behindertenbewegung bzw. der Disability Studies.
Sie dienen der Benennung einer Form der Behindertenfeindlichkeit: der Beurteilung von Menschen anhand ihrer Fähigkeiten. Menschen mit Behinderung werden aufgrund des Fehlens bestimmter Fähigkeiten abgewertet. Hieraus können Diskriminierung oder gesellschaftliche Vorurteile gegen Menschen mit schweren Behinderungen entstehen.[2]
Ableism und Disablism sind mit dem Begriff Handicapism verwandt, der Begriff Physikalismus wird synonym verwendet.
Diskriminierung gegenüber Personen, die eine psychische Störung haben oder von einer solchen bedroht sind, wird manchmal Mentalismus genannt. [Quelle und mehr:  https://de.wikipedia.org/wiki/Ableism ]

5 Neuronormativität beschreibt eine Gesellschaft, bzw. Mechaniken und Ansichten in einer Gesellschaft, die Menschen priviligiert, die über bestimmte Eigenschaften verfügen und Menschen, die nicht diese Standards treffen als abnormal oder fehlerhaft bezeichnet. Beispielsweise kann ein Bildungssystem, das eine hohe Gewichtung aufs Lesen legt, als neuronormativ bezeichnet werden. Dies ist deshalb der Fall, weil Menschen mit Legastenie darin stark benachteiligt werden und die selben Menschen in einem anderen Bildungssystem nicht benachteiligt werden würden. Ähnlich sind Bewerbungsgespräche oft extrem neuronormativ, da ein großer Teil der darauf folgenden Entscheidung darauf beruht wie leicht oder schwer es Menschen fällt von Gesicht zu Gesicht zu kommunizieren. Bei vielen Jobs ist diese Eigenschaft aber irrelevant.  [Quelle und vieles mehr: https://www.reddit.com/r/neurodiversity/wiki/glossary ]

6 Cis/cisgender(ed): Ein Adjektiv, das Personen bezeichnet, deren bei Geburt zugewiesenes Geschlecht mit der eigenen Geschlechteridentität übereinstimmt.  Siehe auch  [→ Trans]. Hörtipp: Der Podcast “heiter scheitern” widmet sich eine Folge lang kritisch dem Begriff. [Quelle und mehr: https://femgeeks.de/glossar/#cis ]

7 non-binary/nichtbinär: Ein Geschlecht ist nichtbinär, wenn es nicht einer der binären Kategorien „Mann“ oder „Frau“ entspricht. Es existiert ein riesiges Spektrum nichtbinärer Geschlechter wie genderqueer (generell nicht binärgeschlechtlich verortet), genderfluid (je nach Zeitpunkt unterschiedliches Geschlecht), neutrois (ein neutrales, drittes Geschlecht, das explizit kein Zwischengeschlecht aus „Mann“ und „Frau“ ist) und viele weitere. Nichtbinäre Geschlechtsidentitäten sind keine moderne Erfindung, sondern existier(t)en in dutzenden Gesellschaften weltweit. Sie wurden jedoch durch den christlichen Kolonialismus weltweit unterdrückt und teilweise ausgelöscht. Nichtbinäre Menschen sind zumeist [→ trans], weil in den meisten Gesellschaften bei Geburt zugewiesene Geschlecht eigentlich immer ein binäres ist. [https://femgeeks.de/glossar/#nonbinary]

8 Heteronormativität beschreibt eine Weltsicht, die Heterosexualität als soziale Norm postuliert. Damit einhergehend ist ein meist unhinterfragtes, ausschließlich binäres(zweiteiliges) Geschlechtssystem, in welchem das biologische Geschlecht mit GeschlechtsidentitätGeschlechtsrolle und sexueller Orientierung für alle gleichgesetzt wird.[1] Der Begriff ist ein Terminus aus dem Bereich der Queer Studies und der Queer Theory und wurde zunächst nur als Kritik von Heterosexualität als Norm und Homosexualität als Abweichung davon benutzt. Erst in dem Maße, wie die Queer-Theorie sich auch der Gender-Problematik (siehe Transgender) annahm, wurde er auch auf diese bezogen. [Quelle und mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Heteronormativit%C3%A4t]

Wiener Ball der Wissenschaften (Teil 2): Sexismus

Und dann war da noch ein riesiger Haufen Sexismus, der mir an diesem Abend entgegen kam.
Jedes zweite oder dritte Mal als ich oder meine Kolleginnen einem Mann den 3D-Printer erklärten, kamen sexistische Bemerkungen wie: „Aber weißt du denn *wikrlich* wie das funktioniert?“ „Aber du studierst doch sicher nicht Informatik!“ „Aber du kannst das sicher nicht bedienen!“ Oder ein Typ, der ernsthhaft meinte: „Ja, aber ich google das jetzt noch, ich weiß nicht ob das stimmt was du da sagst.“ Viele Männer haben mir, trotz meines eigentlich recht sicheren, selbstbewussten Auftretens nicht zugetraut zu wissen wovon ich rede,
ganz nach dem Motto – Das ist eine Frau, die kann ja nichts von Technik verstehen.
Im Gegensatz dazu kamen von vielen Frauen, die vorbeikamen, Fragen nach der genauen chemischen Zusammensetzung des verwendeten Kunststoffs, Schmelztemperatur und ähnlichem. Und keine dieser Frauen hat dabei meine Komptetenz angezweifelt – es waren selbst kompetente Frauen.

Man(n) merke also: Sexismus, Rassismus bzw. Xenophobie „passieren“ auch unter gebildeten Menschen ständig, vielleicht ist es (abgesehen von den massenweisen Bro-Clubs in den Naturwissenschaften – die brauchen einen eigenen Post) unterschwelliger aber es macht dennoch die Nerven von den dabei nachteilliig behandelten Menschen mürbe.
Die Unterschwelligkeit trägt dann auch noch dazu bei, dass es für durch Rassismus, Sexismus und Xenophobie Angegriffene noch schwerer wird, ihre Angreifer als solche aufzuzeigen.
Menschen, die diesen unterschwelligen Sexismus, Rassismus, etc. betreiben sind oft nicht dazu gewillt zuzugeben oder zu sehen, wie sexistisch/rassistisch/etc. sie sind, was diesen internalisierten Sexismus/Rassismus/etc. noch tiefer eindringen lässt und “unbemerkbarer” macht.

Ich weiß dass ich nicht die einzige Frau die ein STEM/MINT-Fach studiert oder in einem STEM/MINT Bereich tätig ist, die es verdammt nochmal satt hat, allgemein und in fachspezifischen Diskussionen auf Grund ihres Genders hinterfragt zu werden.
Ich bin sicher nicht die einzige, die es satt hat, dass sie ständig die administrative Arbeit eines Projekts automatisch zugeordnet bekommt und die keine Lust mehr darauf hat, dass Männer denken, sie sitzt wegen der guten Aussicht und der großen Auswahl an Männern in einer Vorlesung im Audimax der TU.

Ich bin es satt im professionellen, wissenschaftlichen und allgemein natürlich auch im tagtäglichen privaten  Leben auf mein Geschlecht und die damit verbundenen oft stark fehlerhaften sozialen Konstrukte reduziert zu werden.

Wiener Ball der Wissenschaften (Teil 1): Rassismus/Xenophobie

Ich habe dieses Jahr mit einer Kollegin, die (wie ich auch) Medieninformatik studiert, für die Fakultät für Informatik der TU Wien einen Tisch betreut. Wir haben mit einem 3D-Drucker Fliegen/Mascherln mit Thermoplastik showgedruckt und auch zu Gute vom Projekt Welcome.TU.code verkauft. Dabei habe ich, um es nett auszudrücken, interessante Erfarungen machen dürfen, die ich in zwei Teilen erzählen werde.

Natürlich haben wir den ganzen Abend Fragen beantwortet: „Wie funktioniert das? Was kann das? Woher kommt das Plastik da? Und wie viel kostet so ein Ding?“ Aber eine Frage, hat die Besucher*innen gespalten: „Was ist das denn für ein Projekt?“
Auf diese Frage, habe ich meistens geantwortet, dass Welcome.TU.code ein Flüchtlingsprojekt ist, dass Informatikkurse für Flüchtlinge anbietet und ich zufälligerweise eine der Organisatorinnen bin.
Dazu gab es die coolen Reaktionen, einen IT-Professor, der als er das hörte, nicht länger zögerte und eine Fliege kaufte. Einen Kollegen einer TU-Mitarbieterin, der einfach mal so Geld spendete, als er hörte wofür die Spenden verwendet werden würden und eine junge Frau, der die Fliege so gleich noch mehr Freude bereitete.
Aber dann gab es noch die andere Reaktion, die an diesem Abend fast schon normal wurde: „Ach für die geb ich kein Geld her.“ Oder zuerst Interessierte Menschen, die als sie vom Flüchtlingsprojekt erfuhren, die Fliege, die sie begutachteten mit angeekeltem Gesichtsausdruck weglegten und weitergingen.

Für mich bedeuten genau die Reaktionen, dass der Ball nicht das erreicht hat, was ich mir gewünscht hatte. Eine gesellschaftlich anerkanntes Zeichen. Ein wissenschaftliches Event, dass das klassisch österreichische Ballevent vom rechten Vernetzungstreffen, dem „Akademikerball“ erfolgreich zurückfordert und zeigt, dass *echte* Wissenschaftler*innen (und Akademiker*innen) nicht rechts sind. Das ist scheinbar nicht geglückt, vor allem weil sich FPÖ-Politiker wie Guggenbichler, dort wirklich noch wohl fühlen konnte (und ja ich denke dass sich Rechte, vor allem welche, die den Ball geplant haben, gegen den der Wiener ball der Wissenschaften als Gegenbewegung dienen soll, nicht am Ball der Wissenschaften wohlfühlen können sollten.)

[Zur Information: Für mich fängt Rechts unter anderem dort an, wo Menschen bestimmte Minderheiten als weniger wertvoll ansehen. Flüchtlingen nicht helfen zu wollen, ist für mich eine Form davon. Flüchtlingen haben wenn nicht mehr als priviligierte Menschen mit österreichischer Staatsbürgerschaft, mindestens genauso viel Hilfe verdient, wie andere Menschen.]

(Teil 2: Sexismus: https://kalterpfefferminztee.wordpress.com/2016/02/03/wiener-ball-der-wissenschaften-teil-2-sexismus/)